Einleitung
Schlafapnoe ist eine weit verbreitete Schlafstörung, bei der es während des Schlafs zu Atemaussetzern kommt. Diese Atempausen führen zu Sauerstoffmangel im Körper und zwingen das Gehirn, Alarm zu schlagen – Betroffene wachen kurz auf, oft ohne es bewusst zu merken. Dies stört den Schlafablauf massiv und kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben, von Tagesmüdigkeit bis zu erhöhtem Risiko für Bluthochdruck und Herzprobleme. Im Folgenden erfahren Sie, was Schlafapnoe genau ist, welche Symptome und Risiken sie mit sich bringt und wie man Schlafapnoe mit natürlichen Maßnahmen, Nahrungsergänzungsmitteln und alternativen Heilmethoden – einschließlich einer spannenden TCM-Studie – lindern kann.
Was ist Schlafapnoe? Ursachen und Symptome verstehen
Schlafapnoe (obstruktives Schlafapnoe-Syndrom) äußert sich typischerweise durch Atemaussetzer im Schlaf und lautes, unregelmäßiges Schnarchen. Ursache ist meist eine Entspannung der Rachenmuskulatur, wodurch die Atemwege zeitweise blockiert werden. Begünstigende Faktoren sind oft Übergewicht, anatomisch enge Atemwege (z.B. vergrößerte Mandeln) oder ein zurückfallendes Zäpfchen, sowie Lebensstilfaktoren wie Alkoholgenuss am Abend. In vielen Fällen sind Männer häufiger betroffen als Frauen – in Deutschland leiden schätzungsweise rund 30% der Männer und 13% der Frauen unter obstruktiver Schlafapnoe. Das Risiko steigt mit höherem Body-Mass-Index, da Fettgewebe im Halsbereich die Atemwege zusätzlich verengt. Auch das Alter spielt eine Rolle, weil die Gewebespannung mit den Jahren nachlässt.
Symptome
Typische Symptome einer Schlafapnoe sind vor allem lautes Schnarchen mit unregelmäßigen Pausen, gefolgt von hörbarem Luftschnappen. Partner oder Familienmitglieder bemerken oft diese Atemstillstände zuerst. Durch den wenig erholsamen Schlaf leiden Betroffene tagsüber an extremer Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Häufig kommt es zu morgendlichen Kopfschmerzen aufgrund des nächtlichen Sauerstoffmangels. Weitere Anzeichen können eine trockene Kehle oder Mund am Morgen, nächtliches Schwitzen, unruhiger Schlaf mit häufigem Aufwachen sowie Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen sein. Im Alltag können Sekundenschlaf und Leistungsabfall auftreten, was etwa beim Autofahren sehr gefährlich werden kann.
Folgen und Risiken
Unbehandelt stellt Schlafapnoe ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Durch die wiederholten Sauerstoffentsättigungen und Weckreaktionen steht der Körper unter Stress. Langfristig erhöht dies die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und sogar Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch das Risiko für Diabetes und neurodegenerative Erkrankungen kann steigen. Nicht zuletzt belastet schweres Schnarchen auch die Partnerschaft – der Schlaf des Partners wird erheblich gestört. Deshalb sollte Schlafapnoe unbedingt ernst genommen und behandelt werden.
Konventionelle Behandlung der Schlafapnoe
In der Schulmedizin gilt die nächtliche Überdruckbeatmung mittels CPAP-Maske (Continuous Positive Airway Pressure) als Goldstandard bei obstruktiver Schlafapnoe. Diese CPAP-Therapie hält die Atemwege durch leichten Überdruck offen und verhindert so Atemaussetzer. Sie ist sehr wirkungsvoll, jedoch empfinden manche Patienten die Masken als unbequem oder störend (Geräusche, eingeschränkte Bewegung im Schlaf etc.). Alternativ kommen je nach Ursache auch mechanische Hilfen wie Unterkiefer-Protrusionsschienen (eine Art Zahnschiene, die den Unterkiefer im Schlaf vorne hält) zum Einsatz, um die oberen Atemwege offen zu halten. In schweren Fällen oder bei speziellen anatomischen Problemen können operative Eingriffe (z.B. Entfernung vergrößerter Mandeln, Straffung des Gaumensegels oder sogar der Einsatz eines Zungenschrittmachers) erwogen werden.
Allerdings ist eine ursächliche Behandlung der Schlafapnoe oft durch Lebensstiländerungen möglich, vor allem wenn Übergewicht als Hauptfaktor vorliegt. Experten empfehlen, zunächst diese einfachen Maßnahmen auszuschöpfen, bevor man zu aufwändigen Geräten oder Operationen greift. Nicht jede leichte bis moderate Schlafapnoe erfordert sofort eine Maske – in vielen Fällen kann man mit natürlichen Mitteln und Gewohnheitsänderungen bereits sehr viel erreichen. Im nächsten Abschnitt geht es daher um genau diese natürlichen Maßnahmen, mit denen man Schlafapnoe natürlich lindern kann.
Gewichtsreduktion und Lebensstil bei Schlafapnoe
Der mit Abstand wichtigste Ansatz, um Schlafapnoe auf natürlichem Wege anzugehen, ist die Gewichtsabnahme bei übergewichtigen Patienten. Adipositas gilt als Haupt-Risikofaktor, da Fett im Hals- und Zungenbereich die Atemwege einengt. Studien zeigen eindrucksvoll, dass Gewichtsreduktion die Symptome deutlich lindern kann – schon ein Verlust von 10–15% des Körpergewichts kann die Anzahl der nächtlichen Atemaussetzer um etwa die Hälfte senken. In manchen Fällen verschwindet die Schlafapnoe durch konsequentes Abnehmen sogar vollständig. Eine Kombination aus gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung verbessert nachweislich die Situation: Je mehr sich das Körpergewicht dem Normalbereich nähert, desto besser gehen auch die Apnoe-Beschwerden zurück. Gewichtsreduktion ist daher bei übergewichtigen Apnoe-Patienten die effektivste natürliche Therapie.
Schlafhygiene und schlaffördernde Gewohnheiten
Auch andere Lebensstilfaktoren spielen eine große Rolle. Schlafhygiene und schlaffördernde Gewohnheiten können die Schlafqualität verbessern und Apnoe-Episoden reduzieren. Einige Tipps und Hausmittel, die Sie selbst umsetzen können, sind:
- Schlafposition verbessern: Versuchen Sie, nicht in Rückenlage zu schlafen. In Seitenlage kommt es seltener zu Atemaussetzern, weil Zunge und Gaumensegel weniger nach hinten fallen. Ein Trick ist, einen Tennisball am Rücken des Schlafanzugs zu befestigen oder spezielle Seitenlagerungskissen zu nutzen, um das Liegen auf dem Rücken zu vermeiden.
- Kein Alkohol und Beruhigungsmittel am Abend: Alkohol, Schlafmittel und Beruhigungsmittel entspannen die Rachenmuskulatur übermäßig, was Schlafapnoe-Episoden begünstigt. Verzichten Sie insbesondere in den Stunden vor dem Schlafengehen darauf. Auch Nikotin kann die Atemwege reizen – Rauchen aufzugeben hilft ebenfalls.
- Schlafrhythmus und Schlafumgebung: Sorgen Sie für regelmäßige Schlafenszeiten und ein dunkles, ruhiges Schlafzimmer. Ausreichender und gleichmäßiger Schlaf kann die Durchschlafqualität verbessern.
- Nasenatmung fördern: Bei verstopfter Nase (z.B. durch Allergien) atmet man nachts öfter durch den Mund, was Schnarchen und Apnoe verstärkt. Natürliche Abhilfe schaffen etwa Kochsalz-Nasenspülungen, abschwellende ätherische Öle (z.B. Eukalyptus) im Raum oder Nasenstrips, um die Nasenflügel zu weiten.
Gerade bei milder Schlafapnoe können solche Hausmittel und Veränderungen schon ausreichen, um die Apnoe deutlich zu bessern oder sogar „aus der Welt zu schaffen“. Wichtig ist, diese Maßnahmen konsequent und langfristig umzusetzen. Die natürlichen Ansätze wirken nicht von heute auf morgen, aber sie zielen auf die Ursache ab – und das zahlt sich oft in besserer Schlafqualität und weniger Atemaussetzern aus.
Natürliche Heilmittel und Nahrungsergänzung bei Schlafapnoe
Gibt es Heilpflanzen oder Nahrungsergänzungsmittel, die gegen Schlafapnoe helfen? Hier gilt es realistisch zu bleiben: Es gibt keine einzelne Wunderpflanze, die Schlafapnoe heilen könnte. Die Atemwegsblockaden lassen sich nicht durch ein Kraut wegzaubern. Allerdings können bestimmte natürliche Substanzen indirekt unterstützen und Begleitumstände der Schlafapnoe verbessern. Wichtig ist, dass diese naturheilkundlichen Mittel wissenschaftlich untersucht wurden und zumindest eine Wirkung auf relevante Symptome zeigen.
Vitaminmangel ausgleichen
Ein beschriebener Zusammenhang besteht etwa zwischen Vitamin D-Mangel und Schlafapnoe. Menschen mit Vitamin-D-Defizit haben tendenziell häufiger und schwerere Apnoen, möglicherweise aufgrund von Muskelerschlaffung und Immunfaktoren. Ob die Einnahme von Vitamin D die Situation verbessert, ist noch nicht ausreichend erforscht. Doch da Vitamin D für die allgemeine Gesundheit wichtig ist, schadet es nicht, auf eine gute Versorgung zu achten – am besten durch regelmäßige Bewegung im Sonnenlicht, wodurch der Körper Vitamin D selbst produziert. Ebenso sollte ein Mangel an Eisen, Vitamin B12, Zink oder Selen vermieden werden, da auch hier Zusammenhänge beobachtet wurden: Je niedriger die Spiegel dieser Spurenelemente, desto ausgeprägter fiel in einer Untersuchung die Schlafapnoe aus. Bei Verdacht auf Mängel lohnt sich also ein Bluttest und gegebenenfalls das Auffüllen dieser Vitalstoffe (ggf. in Absprache mit einem Arzt).
Antioxidantien gegen Folgen der Schlafapnoe
Jede nächtliche Apnoe-Episode bedeutet Stress für den Körper. Durch den Sauerstoffabfall entstehen oxidative Stressfaktoren – aggressive Sauerstoffradikale, die Gefäße und Nerven schädigen können. Hier setzen Antioxidantien an: Sie fangen freie Radikale ab und könnten so die negativen Folgen der Schlafapnoe abmildern. In Tierversuchen wurden z.B. Grüner-Tee-Polyphenole sowie die Vitamine C und E mit Erfolg gegen OSA-Folgen getestet. Beim Menschen stehen entsprechende Beweise noch aus. Allerdings gibt es erste Hinweise, dass bestimmte Antioxidantien als Nahrungsergänzung einen Nutzen haben könnten. Ein bemerkenswertes Beispiel ist der Wirkstoff N-Acetylcystein (NAC): Diese als Schleimlöser bekannte Aminosäure ist ein starkes Antioxidans. In einer kleinen klinischen Studie erhielten Schlafapnoe-Patienten vier Wochen lang hochdosiert NAC oder Placebo.
Das Ergebnis
Im NAC-Gruppe sank der Apnoe-Hypopnoe-Index (Anzahl Atemaussetzer pro Stunde Schlaf) signifikant von durchschnittlich 61 auf 43, und die subjektive Tagesmüdigkeit (Epworth-Score) verbesserte sich ebenfalls deutlich. Zudem ging die Häufigkeit und Dauer von Schnarchepisoden zurück, und oxidative Marker im Blut nahmen ab. Die Forscher schlussfolgerten, dass eine langfristige NAC-Therapie das Potenzial hat, die Schlafapnoe zu mildern und eventuell die Abhängigkeit von CPAP-Geräten zu verringern. Auch wenn weitere Studien nötig sind, zeigen solche Ergebnisse, dass antioxidative Nahrungsergänzungsmittel ein vielversprechender ergänzender Ansatz sein könnten.
Pflanzliche Beruhigungsmittel
Schlafapnoe ist zwar kein psychisches Problem, aber der gestörte Schlaf geht oft mit Stress und Einschlafschwierigkeiten einher. Hier können klassische Heilkräuter wie Baldrian, Lavendel, Hopfen oder Passionsblume hilfreich sein, um abends zur Ruhe zu kommen. Sie fördern einen ruhigeren Schlaf und können zumindest die Schlafqualität verbessern – auch wenn sie die Apnoe-Ursache nicht beseitigen. Manche Betroffene berichten, dass z.B. Lavendelöl im Schlafzimmer oder Baldrian-Extrakt vor dem Schlafengehen ihnen hilft, schneller einzuschlafen und insgesamt entspannter zu sein. Ein entspannter Schlaf könnte theoretisch dazu beitragen, dass die Weckreaktionen bei Atempausen weniger heftig ausfallen. Allerdings sollte man solche pflanzlichen Mittel vor allem als Unterstützung sehen.
Homöopathie bei Schlafapnoe
Homöopathie wird von einigen bei Schlafapnoe ausprobiert, z.B. Globuli wie Grindelia oder Coffea, doch ist die Wirkung hier nicht wissenschaftlich belegt. Wenn überhaupt, können homöopathische Präparate höchstens die individuellen Begleitsymptome mildern. Für die Naturheilkunde insgesamt gilt: Sie setzt vor allem bei den begleitenden Faktoren an (Gewicht, Entspannung, Nährstoffhaushalt), was einen wichtigen Beitrag leisten kann, die Schlafapnoe in den Griff zu bekommen.
TCM-Heilmittel Jiawei Di Tan Tang bei Schlafapnoe
Ein besonders interessanter Ansatz aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hat in den letzten Jahren Aufmerksamkeit erregt. Die Rede ist von der Kräuterrezeptur Jiawei Di Tan Tang (JDTT), einem traditionellen pflanzlichen Heilmittel. In der TCM wird Schlafapnoe als komplexes Ungleichgewicht betrachtet, und JDTT setzt sich aus 16 klassischen Kräutern zusammen (darunter z.B. Dangshen und Huangqi zur Stärkung des Qi sowie Banxia, Chenpi und andere zur Beseitigung von Schleim und Stagnation). Diese Rezeptur soll laut TCM-Theorie Qi stärken, Schleim und Blockaden lösen, Entzündungen reduzieren und die Lungenfunktion verbessern.
Wichtiges
Es gibt wissenschaftliche Studien, die JDTT bei obstruktiver Schlafapnoe untersucht haben. In einer Placebo-kontrollierten klinischen Studie aus China erhielten Patienten mit mittelschwerer bis schwerer OSAHS über einige Wochen täglich Jiawei Di Tan Tang zusätzlich zur Standardtherapie. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Die behandelten Patienten hatten hinterher deutlich weniger nächtliche Atemaussetzer und eine niedrigere Apnoe-Hypopnoe-Index-Rate, außerdem verbesserte sich die minimale nächtliche Sauerstoffsättigung im Blut.
Die Tagesmüdigkeit sank
Die Tagesmüdigkeit (Epworth-Schläfrigkeitsscore) sank signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe. Objektive Biomarker zeigten ebenfalls Verbesserungen – so gingen Entzündungswerte wie TNF-α, IL-6 und CRP sowie oxidative Stressmarker wie MDA im Blut der JDTT-Gruppe zurück, während antioxidative Enzyme wie SOD anstiegen. Zusammenfassend kam die Studie zu dem Schluss, dass Jiawei Di Tan Tang eine schützende Wirkung gegen oxidativen Stress und Entzündungen bei Schlafapnoe-Patienten hat und die klinischen Symptome deutlich lindert. Die Forscher betonten, dass die Patienten durch das Kräutermittel eine bessere Lebensqualität erzielten und JDTT eine vielversprechende Ergänzung der Schlafapnoe-Behandlung sein könnte.
Die Ergebnisse der Studie
Diese Ergebnisse decken sich mit einem Überblick über die chinesische Kräutermedizin bei Schlafapnoe: Eine Meta-Analyse von 58 Studien mit 4.590 Patienten (publiziert 2024) fand heraus, dass TCM-Kräuter die Apnoe-Frequenz signifikant senken können – im Schnitt 7 Atemaussetzer pro Stunde weniger im Vergleich zu Placebo. Zudem verbesserten sich Schläfrigkeit am Tag, Lebensqualität, Entzündungswerte, Blutdruck und sogar die Lungenfunktion durch Kräutertherapie. Die Kombination aus westlicher Standardtherapie (z.B. CPAP) und chinesischen Kräutern wirkte besser als CPAP allein. Dies unterstreicht, dass TCM-Heilmittel wie Jiawei Di Tan Tang tatsächlich wirkungsvoll sein können. Wichtig ist natürlich, solche Therapien mit Ärzten abzustimmen – doch die TCM bietet hier einen ganzheitlichen Ansatz, der auf Dauerhaftigkeit abzielt und den Körper bei der Selbstregulation unterstützt.
Atemübungen und Muskeltraining gegen Schlafapnoe
Ein weiterer natürlicher Therapieansatz bei Schlafapnoe zielt direkt auf die Muskulatur des oberen Rachens: Atemübungen und myofunktionelles Muskeltraining können helfen, die Atemwege im Schlaf stabiler offen zu halten. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang das Didgeridoo-Spielen als Therapie. Was zunächst kurios klingt – ein australisches Blasinstrument gegen Schnarchen? – hat einen ernsten Hintergrund. Beim Didgeridoo werden durch eine spezielle Atemtechnik (Zirkularatmung) genau die Muskeln trainiert, die sonst im Schlaf erschlaffen und zur Apnoe führen. In einer Schweizer Studie konnten Forscher um Prof. Milo Puhan zeigen, dass regelmäßiges Didgeridoo-Training den nächtlichen Muskeltonus verbessert.
Die Folge
Teilnehmer, die vier Monate lang an fünf Tagen die Woche etwa 20 Minuten Didgeridoo spielten, hatten seltener Atemaussetzer und reduzierten den Schweregrad ihres Schlafapnoe-Syndroms, außerdem schnarchten sie weniger. Durch das Kräftigen der Rachenmuskulatur wird ein Kollabieren der Atemwege wirksam verhindert. Die Patienten fühlten sich tagsüber deutlich weniger müde, und auch die Partner berichteten von wesentlich ruhigerem Schlaf ohne störendes Schnarchen. Dieser ungewöhnliche Therapieansatz war so erfolgreich, dass er sogar mit dem Ig-Nobelpreis (einem humorvollen Wissenschaftspreis) ausgezeichnet wurde – zum Schmunzeln, aber eben auch zum Nachdenken, denn er zeigt eine attraktive Alternative auf. Viele Betroffene empfinden es als motivierend, selbst aktiv etwas gegen ihr Leiden tun zu können. Didgeridoo-Spielen ist relativ einfach zu erlernen und wird von manchen als entspannend und wohltuend beschrieben.
Myofunktionelle Therapie bei der Schlafapnoe
Neben dem Didgeridoo gibt es auch gezielte Übungen für Zunge und Gaumen (myofunktionelle Therapie), teils angeleitet von Logopäden oder Physiotherapeuten. Diese Übungen – z.B. Zungenspitzenrollen, kräftiges Aussprechen bestimmter Laute, das Saugen an der Zunge am Gaumen – stärken die Muskulatur von Zunge, weichem Gaumen und Rachenwand. Studien haben gezeigt, dass ein konsequentes, mehrmonatiges Übungsprogramm die Apnoe-Häufigkeit bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe signifikant senken kann. Eine Meta-Analyse fand, dass solche oropharyngealen Übungen die AHI-Werte und Symptome spürbar verbessern und somit ein vielversprechender Therapieansatz für moderate Schlafapnoe sind. Für Betroffene, die z.B. CPAP nicht vertragen oder ergänzend etwas tun möchten, sind solche Übungen einen Versuch wert – sie erfordern allerdings tägliches Training und Geduld, bis sich die Muskeln angepasst haben.
Akupunktur
Erwähnenswert ist auch Akupunktur als alternative Methode aus der TCM: Einige klinische Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei Schlafapnoe-Patienten sowohl den AHI als auch die Tagesschläfrigkeit reduzieren und die nächtliche Sauerstoffversorgung verbessern kann. In einer systematischen Übersichtsarbeit (2020) wurde festgestellt, dass Akupunktur insbesondere bei moderater und schwerer OSA deutliche Verbesserungen erzielte. Obwohl die Evidenzqualität noch ausbaufähig ist und mehr hochwertige Studien nötig sind, kann Akupunktur als ergänzende Maßnahme in Betracht gezogen werden – vor allem für Patienten, die offen für fernöstliche Heilmethoden sind oder CPAP nicht nutzen können.
Fazit: Schlafapnoe ganzheitlich lindern
Schlafapnoe muss nicht zwangsläufig nur mit Maske oder Skalpell behandelt werden. Eine ganzheitliche Behandlung kombiniert schulmedizinische Maßnahmen mit natürlichen Heilmethoden, um bestmögliche Erfolge zu erzielen. An erster Stelle steht dabei immer die Ursachenbekämpfung: Gewichtsreduktion, gesunde Lebensführung und das Meiden von Risiko-Faktoren können bei vielen Patienten die Schlafapnoe drastisch verbessern oder sogar verschwinden lassen.
Ergänzend lohnt sich der Blick auf Naturheilmethoden: Von antioxidativen Nahrungsergänzungsmitteln (wie Vitamin D, Zink, Selen oder NAC) bis zu traditionellen TCM-Kräuterrezepturen (wie Jiawei Di Tan Tang) gibt es Ansätze, die Entzündungen und oxidativen Stress reduzieren und so die schädlichen Folgen der Apnoe abmildern. Auch aktive Methoden wie Atemmuskel-Training – sei es durch Didgeridoo oder gezielte Übungen – können den oberen Atemweg stabilisieren und das nächtliche Schnarchen verringern. Wichtig ist, dass jeder Betroffene den für sich passenden Mix findet. Eine Absprache mit Schlafmedizinern und alternativmedizinischen Therapeuten hilft, einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen. Mit Geduld und konsequenter Umsetzung lassen sich Schlafapnoe-Symptome oft natürlich lindern – für einen gesünderen, erholsameren Schlaf und mehr Lebensqualität.
Quellen und Studien
Prävalenz in Deutschland (SHIP TREND, 30% Männer, 13% Frauen bei AHI ≥ 15)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30272383/
Zusammenfassung mit SHIP TREND Angabe (deutscher Kontext, 30% Männer, 13% Frauen)
https://link.springer.com/article/10.1007/s11818-023-00428-1
Gewichtsreduktion und Schlafapnoe (Langzeitdaten, Sleep AHEAD, Lifestyle Intervention)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7874414/
Review zur Beziehung Adipositas und OSA, inklusive Wirkung von Gewichtsverlust
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3021364/
Gewichtsreduktion kann milde OSA verhindern oder sogar „cure“ bei milden Fällen (Tuomilehto et al. 2014)
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1389945714000318
Kardiovaskuläre Risiken bei Schlafapnoe (Komplikationen, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall)
https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/sleep-apnea/symptoms-causes/syc-20377631
Risikohinweis des NIH (NHLBI) zu Hypertonie, Diabetes, Herzkrankheit, Schlaganfall
https://www.nhlbi.nih.gov/health/sleep-apnea/causes
American Heart Association zu Zusammenhang Schlafapnoe, Bluthochdruck, Schlaganfall, KHK
https://www.heart.org/en/health-topics/sleep-disorders/sleep-apnea-and-heart-disease-stroke
NAC Studie bei obstruktiver Schlafapnoe (randomisiert, 30 Tage, PSG vor und nach Therapie)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21838198/
Volltext PDF zur NAC Studie (Indian J Chest Dis Allied Sci 2011;53:153-162)
https://vpci.org.in/uploads/file/j-2011-Article-3.pdf
Jiawei Di Tan Tang bei OSAHS (klinische Studie, Entzündung und oxidativer Stress Marker, Symptome)
PubMed Eintrag
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27588078/
Volltext (PMC)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4998001/
Systematic Review und Meta Analyse 2024 zu chinesischer Kräutermedizin bei OSA (58 Studien, 4590 Teilnehmer)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39665846/
Didgeridoo randomisierte Studie bei moderater OSA (Puhan et al. 2006, BMJ)
PubMed
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16377643/
Volltext (PMC)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1360393/
Myofunktionelle Therapie, Oropharyngeal Exercises (Cochrane Review 2020)
PubMed
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33141943/
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https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD013449.pub2/full
Akupunktur bei obstruktiver Schlafapnoe, Systematic Review und Meta Analyse (Wang et al. 2020)
PubMed
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32258139/
Volltext (PMC)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7079261/
Veröffentlicht am: 19. Januar 2026
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